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Was Stress wirklich mit dir macht

von | Mai 26, 2021 | Kinder, Kinesiologie, Lernen | 0 Kommentare

Jeder kennt ihn, jeder hat ihn – Stress.

Auch wenn das Empfinden von Stress äußerst subjektiv ist, die Reaktionen im Körper laufen dabei immer gleich ab. Darum möchte ich dich heute auf eine Reise durch den Körper mitnehmen, um dir aufzuzeigen, was da passiert. So kannst du leichter verstehen, warum dein Kind Probleme beim Lernen oder mit der Konzentration hat. Und vielleicht gewinnst du ein bisschen mehr Verständnis für dich selbst!

 

Was ist Stress eigentlich?

 

Dazu gibt es verschiedene Erklärungsmodelle mit unterschiedlichen Ansätzen. Zusammengefasst lässt sich aber sagen, dass es eine körperliche und psychische Reaktion auf eine nicht bewältigbar erscheinende Situation ist. Hier will ich aber unbedingt auch noch die restaktiven Stressreflexe erwähnen, denn auch sie verursachen permanent die stets gelichbleibende körperliche Reaktion. Sind die beiden Stressreflexe – der Furcht-Lähmungsreflex und der Moro-Reflex – noch auslösbar, können von außen betrachtete Kleinigkeiten wie ein Geräusch oder jemand, der zu schnell zu nahe kommt, diese Reaktion ablaufen lassen.

 

In einer Stresssituation übernimmt sofort dein Stammhirn das Kommando.

Das Stammhirn wird manchmal auch Reptilien- oder Steinzeitgehirn genannt, weil sich dieser Teil nicht mehr weiterentwickelt hat. Es ist der entwicklungsgeschichtlich älteste Teil des Gehirns und lässt dich unmittelbar auf eine vermeintlich tödliche Gefahr reagieren. Die Verbindung zum präfrontalen Cortex ist quasi unterbrochen. Dieser Teil des Gehirns steuert zum Beispiel erlernte motorische Fähigkeiten (z.B. das Schreiben) oder auch komplexe interkulturelle Prozesse (z.B. Sprache, Denken und Vorausplanen).

Somit sind logisches Denken oder konzentriertes Lernen nicht mehr möglich, du befindest dich mitten im „Kampf oder Flucht“-Modus.

Dein Herzschlag erhöht sich, um mehr Blut in die Arme und Beine zu pumpen.

Deine Kiefermuskulatur spannt sich an, um das Kiefer vor Schlägen im Kampf zu schützen. Du merkst vielleicht selber, dass manchmal, nach einem anstrengenden Tag dein Gesicht total verspannt ist. Dein Mund fühlt sich trocken an, denn die Produktion von Speichel wird eingestellt.

Wenn du in dieser Situation aber eine mündliche Prüfung ablegen oder einen Vortrag halten musst, kann es schon sein, dass dir das Sprechen auch wegen des angespannten Kiefers schwer fällt.

Auch im Rest des Körpers spannt sich die Muskulatur an, zum einen als Schutzspannung für den Kampf und zum anderen damit du schneller flüchten kannst.

 

Dein Körper ist darauf eingestellt sich zu bewegen, richtig schnell zu laufen – in der Schule sollst du jetzt aber möglichst still sitzen.

 

Um das zu bewerkstelligen, braucht es willentliche Anstrengung und höchste Konzentration, da bleibt für den Unterricht nicht mehr viel übrig.

Damit du genügend Energie für Kampf oder Flucht hast, sorgt Kortisol dafür, dass Fett und Zucker ins Blut abgegeben werden. Verbrauchst du das Fett nicht, lagert es sich wieder im Körpergewebe an und du wunderst dich, warum deine Hosen immer enger werden.

Durch den erhöhten Bedarf an Zucker verlangt der Körper richtiggehend danach, was sich oft in Form von Heißhungerattacken bemerkbar macht. Bei Kindern ist es oft so, dass sie von jetzt auf gleich unbedingt etwas essen müssen, weil sie zum Beispiel unterzuckert aus der Schule kommen.

Das Kortisol verringert auch die Eiweißaufnahme in deinem Körper, da Eiweiß nicht so schnell Energie liefert wie Kohlenhydrate. Dadurch fehlen dir aber wichtige Bausteine für das Wachstum neuer Körper- und vor allem Nervenzellen. Verschiedene Untersuchungen haben sogar ergeben, dass ein konstant hoher Kortisolspiegel zum Absterben von bestimmten Nervenzellen führt und so demenzähnliche Symptome hervorruft.

Neben der Speichelproduktion stellt der Körper die gesamte Verdauung hinten an. Auf der Flucht hast du nämlich keine Zeit um aufs Klo zu gehen. Bei manchen Menschen äußert sich das als Verstopfung aber auch plötzliche Durchfälle sind möglich. Bei Kindern machen sich oft unklare Bauchschmerzen bemerkbar, die scheinbar keinen Grund haben.

Um jede potentielle Gefahr schnellstmöglich erkennen zu können, richtet sich deine ganze Aufmerksamkeit auf deine Umgebung.

 

Falls du ein Kind in der Schule bist, ist es dir fast unmöglich, dich auf dein Heft vor dir zu konzentrieren, wenn der Säbelzahntiger aus der hinteren Ecke hervorhüpfen könnte. Die Pupillen weiten sich etwas, um mehr Licht durchzulassen, damit du in die Ferne besser siehst. Das Fokussieren auf das Heft vor dir gelingt jetzt nur unter großer Anstrengung, weil deine Augen auf Fernsicht eingestellt sind. Durch die vergrößerten Pupillen ist es unangenehm, dass das weiße Blatt Papier so stark reflektiert.

Nachdem du ja weder gekämpft hast, noch geflüchtet bist,  konnten sich deine Muskeln nicht wieder entspannen und das ausgeschüttete Kortisol nicht ausreichend abgebaut werden. Du bist also noch immer in der Kampf oder Flucht Reaktion gefangen, wenn du dich abends ins Bett legst. Viele Kinder haben dann  Probleme, zur Ruhe zu kommen und ein- oder durchzuschlafen. Denn wer schläft, könnte von Säbelzahntiger gefressen werden….

So kommt es zu einem latenten Schlafmangel, auch wenn es scheint, als würde das Kind gut mit weniger Schlaf auskommen. Denn oft hüpfen diese Kinder scheinbar energiegeladen aus dem Bett, dabei sind sie noch immer in Alarmbereitschaft.

Um diese ganzen Reaktionen ablaufen zu lassen, benötigt dein Stammhirn übrigens nur ungefähr fünf hundertstel Sekunden.

Es passiert, ob du willst oder nicht.

 

Schnelle Hilfe im Anlassfall:

 

Tiefes Atmen!

Ruhiges, tiefes Atmen signalisiert unserem Gehirn, dass die Gefahr vorbei ist. Das musst du nicht stundenlang üben, damit du es kannst, du musst dich nur daran erinnern. Zwei einfache Methoden möchte ich dir mitgeben:

  • Bis vier zählen und dabei einatmen, bis sechs zählen und dabei ausatmen, ohne Pause zwischen den Atemzügen. Am besten machst du hier sechs Wiederholungen, so hast du eine Minute lang tief geatmet.
  • Bei der sogenannten Kreisatmung zählst du bis vier während du einatmest, hältst dann die Luft an und zählst bis vier. Danach atmest du auf vier aus und hältst wieder die Luft an bis du bis vier gezählt hast. Versuche hier wirklich tief in den Bauch zu atmen.

 

Was du tun kannst, um den Stress zu reduzieren:

 

Die einfachste Möglichkeit ist Bewegung! Dabei musst du gar nicht stundenlang Sport treiben, oft hilft es schon, wenn du eine Runde spazieren gehst. Du kannst aber auch tanzen, schwimmen, Trampolin springen, …. je mehr Spaß du dabei hast, umso besser. Das gleiche gilt natürlich für Kinder. Wichitg ist, Kindern auch beim Lernen die Möglichkeit zur Bewegung zu bieten, zum Beispiel durch einen Sitzball* oder ein Balancekissen*.

Bei Kindern kann man Schul- und Lernstress verhindern, indem man mit ihnen typgerecht lernt und ihr Gehirndominanzprofil berücksichtigt. Haben sich schon Lernblockaden manifestiert, können sie mit kinesiologischen Methoden behoben werden. Sind restaktive Stressreflexe die Ursache, kann das mit einem gezielten Bewegungstraining behoben werden. Was für dein Kind der richtige Weg ist, können wir gerne gemeinsam herausfinden!

Wie gehst du mit Stress um? Welchen Ausgleich hast du für dich gefunden? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

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