Gibt es ADHS oder gibt es ADHS nicht?

ADHS.

Vier Buchstaben, die eine Diskussion von ungeahntem Ausmaß ins Rollen bringen.

Ich halte mich aus solchen Diskussionen gerne raus, auch wenn ich eine klare Meinung dazu habe. Und die möchte ich hier gerne mit dir teilen.

Kurz und knapp gesagt, ADHS gibt es.

 

Wie bei jeder anderen Erkrankung auch, gibt es immer unterschiedliche Ausprägungen. Noch dazu empfindet jeder Mensch und sein Umfeld die Symptome anders. 

 

Wie bei jeder anderen Erkrankung auch, entscheiden die betroffenen Personen (hier vor allem die Eltern) nach bestem Wissen und Gewissen, auf welchem Weg und mit welchen Mitteln behandelt wird.

 

Und wie bei jeder anderen psychischen Erkrankung erfolgt die Diagnostik ausschließlich über qualifiziertes Fachpersonal. Und das sind weder PädagogInnen, noch der Nachbar oder die Schwiegermutter der besten Freundin deines Friseurs (außer wenn sie Psychiater sind und das Kind auch tatsächlich gesehen haben).

 

Die Verlierer der Diskussion sind immer die Kinder

 

Weißt du, warum ich mich in solche Diskussionen nicht einmische?

Ganz einfach, es betrifft mich nicht persönlich. Ich kann niemals, niemals nicht alle Umstände und Fakten der Betroffenen kennen.

Lieber erkläre ich ruhig und unaufgeregt und unter vier Augen, wie ich im Falle einer vermuteten oder gesicherten Diagnose ADHS mit Reflexintegrationstraining unterstützen kann.

Viele Eltern haben Angst davor, ihr Kind mit so einer Diagnose "abstempeln" zu lassen und holen sich deshalb oft erst spät (oder gar keine) Unterstützung. 

 

Auf der anderen Seite steht die Bagatellisierung - wie bei vielen anderen psychischen Erkrankungen. Wie muss sich ein Kind fühlen, das von anderen signalisiert bekommt, es müsse sich einfach mehr bemühen oder "zusammenreissen"? Auch Kinder haben einen großen Leidensdruck, wenn sie merken, dass sie "anders" sind. Das zu verharmlosen ist fatal.

 

 

Stell dir mal vor, du hast dir den Arm gebrochen und trägst jetzt einen Gips.

Ungefragt bekommst du schlaue Ratschläge, dass du den Gips gar nicht brauchst und du einfach keinen Zucker mehr essen sollst. Und du am besten Computer, Fernseher und dein Smartphone nicht mehr benutzen sollst, denn ohne die wäre dein Arm bestimmt nicht gebrochen.

Klingt irgendwie schräg, oder? 

 

Ich kann grundsätzlich nicht nachvollziehen, warum sich manche Menschen erdreisten, ungefragt anderen ihre Sicht der Dinge aufzudrücken. Und im schlimmsten Fall alle anderen Sichtweisen zu verurteilen.

Dabei hat jede Sichtweise ihre Berechtigung.

Man kann sie aber auch diplomatisch vermitteln.

 

Ein bisschen mehr Diplomatie bitte!

 

Auf Kosten der Kinder wird hier mit dem schlechten Gewissen von Müttern gespielt.

Ich sag nur  #momshaming ...

Wenn jede und jeder von uns sich ein bisschen selber an der Nase nimmt und kurz nachdenkt, bevor ein Ratschlag oder die eigene Meinung den Mund verlässt, dann ändert sich das (hierbei sind die drei Siebe des Sokrates behilflich).

 

Denn ein bisschen mehr Diplomatie macht uns allen das Leben leichter!

 



Wie siehst du das? Erzähle es mir im Kommentar!

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Christina Sommerhuber (Donnerstag, 05 November 2020 01:25)

    Ich bin grundsätzlich deiner Meinung. Leider muss man aber auch sagen, dass Integration und Toleranz die großen Schlagwörter unserer Zeit sind, dies aber meistens nur leere Floskeln. Ja bitte, aber nicht im Umfeld unserer normalen Kinder - das Potential könnte ja gefährdet sein. Also somit kein leichter Schritt... In Bezug auf die Förderung sehe ich es anders - oft ist es nicht des Wollens, sondern der Leistbarkeit. Das ist leider die brutale Realität. Der Beitag, der von den öffentlichen Stellen übernommen wird ist gering. Alternative Wege, die die Therapien fördern oder verstärken, werden nicht gefördert und auch nur zu einem geringen Teil durch Zusatzversicherungen gedeckt. Und das ist kostspielig und ist schlichtweg eine Einkommensfrage . für Familie mit standardeinkommen einfach "nicht leistbar"

    In jeden Fall sind es die Kinder, die nicht anerkannt werden. Und ehrlich gesagt, sind kinder mit Besonderheiten meine persönlichen Helden. Sie erbringen so vie Leistung, haben doch auch so viel Potenzial, und das wird leider oft nicht gesehen sowie anerkannt. Und auch die lieben Mamis und papis - verurteildende Blicke schmerzen mehr als die Diagnose. Und immer diese Rechtfertigung im Umfeld. Ja, es gibt Kinder, die anders sind. Es kostet viel Kraft gegen den Strom zuschwimm und sehr viel Geld sein Kind zu fördern. Ich weiß das aus eigener Erfahrung.

    Das wichtigste ist, sein Kind anzunehmen wie es ist, aus vollsten Herzen zu lieben und hinter dem kind zu stehen. In Wahrheit sind sie unsere kleinen Helden - und auch die Eltern, die oft 100% und mehr für ihren besonderen Kindern tun.